Tuesday, 04 August, 2026г.
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Eichendorff, Joseph von: Weihnachten (Gedichte-Karaoke 52)

Eichendorff, Joseph von: Weihnachten (Gedichte-Karaoke 52)У вашего броузера проблема в совместимости с HTML5
Gedichte sprechen A-Z: https://www.youtube.com/playlist?list=PL_iB0Wx-urZTFWz8kfcrVkfFlcd9xsul6 Vortrag: 00:08 Kommentare: 01:12 Teleprompter: 04:00 Markt und Straßen stehn verlassen, Still erleuchtet jedes Haus, Sinnend geh' ich durch die Gassen, Alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen Buntes Spielzeug fromm geschmückt, Tausend Kindlein stehn und schauen, Sind so wunderstill beglückt. Und ich wandre aus den Mauern Bis hinaus ins freie Feld. Hehres Glänzen, heil'ges Schauern! Wie so weit und still die Welt! Sterne hoch die Kreise schlingen, Aus des Schnees Einsamkeit Steigt's wie wunderbares Singen – O du gnadenreiche Zeit. Ein so beliebtes Weihnachtsgedicht, und ich frage mich warum? Wird es tausendemale aufgesagt, ohne zu verstehen, was drin steht? Markt und Straßen stehn verlassen, Still erleuchtet jedes Haus, Bescherungszeit. Da sind die Straßen leer und jeder findet sich mit seinen Lieben zusammen. Sinnend geh’ ich durch die Gassen, Alles sieht so festlich aus. Der Sprecher ist offenbar der einzige in den Gassen. Warum auch immer, er nimmt an keiner Bescherung teil. An den Fenstern haben Frauen Buntes Spielzeug fromm geschmückt, Tausend Kindlein stehn und schauen, Sind so wunderstill beglückt. Die Fenster kann der Sprecher auf seinem einsamen Weg sehen, von den Kindern weiß er aus langjähriger Weihnachtszeiterfahrung, wie sie mit großen Augen vor Baum und Gabentisch stehen. Obwohl er sich selbst davon ausschließt, scheint er den Kindern ihr Glück zu gönnen. Er gönnt sich ein ganz anderes Glück: Und ich wandre aus den Mauern Bis hinaus in’s freie Feld, Also weit weg von allen Menschen und jedem Weihnachtsschmuck hinaus in die Natur? Was für ein Freak! Das ist doch eher Weihnachten nach Geschmack eines einsamen Gottfried Benn: „Wo alles sich durch Glück beweist und tauscht den Blick und tauscht die Ringe im Weingeruch im Rausch der Dinge - : dienst du dem Gegenglück, dem Geist.“ Eichendorffs Sprecher des Gedichts dient einem anderen „Gegenglück“ als der von Benn: Hehres Glänzen, heil’ges Schauern! Wie so weit und still die Welt! Er lässt die nächtliche, winterliche Natur auf sich wirken. Sterne hoch die Kreise schlingen, Eine sinnlose, aber sehr atmosphärische Aussage. Aus des Schneees Einsamkeit Steigt’s wie wunderbares Singen – In der weißen Einsamkeit: Statt Baumschmuck Sterne, statt Kindergesang – ja was denn? Was steigt denn da? Nichts als die eigene Ergriffenheit von der einsamen Natur. O du gnadenreiche Zeit! Und das ist das Geschenk, das er sich selbst zu Weihnachten macht: Dieses Naturerleben, dass ihn ganz von Dankbarkeit der Schöpfung gegenüber erfüllt. Hätte es nicht auch ein anderer Winterabend sein können? Nein, für dieses Erlebnis braucht er die absolute Einsamkeitsgarantie und das Wissen, dass er der einzige ist, der auf diese Weise Weihnachten mit der Schöpfung feiert. Alle anderen stehen schließlich unterm Weihnachstsbaum und sagen dieses Gedicht auf.
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