Die Zwischenrufe sind dem Plenarprotokoll entnommen!
Mariana Iris Harder-Kühnel (AfD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! In den letzten zehn Jahren haben sich die
Kindergeldüberweisungen auf ausländische Konten fast
verzehnfacht.
(Markus Herbrand [FDP]: Auf welchem Niveau denn?)
Allein im vergangenen Jahr sind 343 Millionen Euro
Kindergeld direkt auf ausländische Konten geflossen.
(Dr. Wiebke Esdar [SPD]: Weniger als 1 Prozent!)
Seit unserer letzten Debatte vor der Sommerpause hat
sich die Lage weiter verschärft. Im Juni 2018 wurde
Kindergeld für knapp 270 000 Kinder gezahlt, die im
EU-Ausland leben. Das ist eine Zunahme um mehr als
10 Prozent innerhalb von nur sechs Monaten. So kann
das nicht weitergehen.
(Beifall bei der AfD)
Allerdings ist diese Entwicklung nicht verwunderlich. Denn das aktuelle deutsche Kindergeld von rund
200 Euro je Kind erweist sich in Ländern wie Rumänien
für viele Menschen als beinahe vollwertiges Monatsgehalt.
(Beifall bei der AfD)
In Rumänien verdient man im Hotelwesen im Schnitt
260 Euro, im Baugewerbe 320 Euro pro Monat. Das
deutsche Kindergeld für zwei Kinder liegt somit deutlich
darüber. Daher warnen parteiübergreifend immer mehr
Politiker vor einer wachsenden Migration in das deutsche Sozialsystem. Ich zitiere den früheren Vizekanzler
Sigmar Gabriel, SPD:
In manchen Großstädten gibt es ganze Straßenzüge
mit Schrottimmobilien, in denen Migranten nur aus
einem Grund wohnen: Weil sie für ihre Kinder, die
gar nicht in Deutschland leben, Kindergeld auf deutschem Niveau beziehen.
(Beifall bei der AfD – Stephan Brandner
[AfD]: Hört! Hört!)
Auch zahlreiche Bürgermeister deutscher Großstädte,
zum Beispiel Sören Link, ebenfalls SPD, sowie der Deutsche Städtetag fordern eine Indexierung. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages erklärte:
Das Kindergeld sollte sich daran orientieren, was
Kinder in ihrem tatsächlichen Aufenthaltsland brauchen, und nicht die Höhe aufweisen, die in einem
anderen Land am Wohnsitz ihrer Eltern gezahlt
wird.
(Dr. Alexander Gauland [AfD]: Hört! Hört!)
Auch die deutschen Bürger sind sich einig: Nach
einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der „Welt“
Michael Schrodi
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 58. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 18. Oktober 2018 6463
(A) (C)
(B) (D)
wollen 83 Prozent der Deutschen Kindergeldzahlungen
ins EU-Ausland sogar ganz streichen. Selbst bei den
Wählern von Grünen, SPD und Linken ist eine deutliche Mehrheit von knapp 70 Prozent der Befragten gegen
Zahlungen für Kinder im EU-Ausland.
(Beifall bei der AfD – Gökay Akbulut [DIE
LINKE]: Stimmt doch gar nicht! Ist gelogen!)
– Doch, gucken Sie nach. – Es besteht also seltene Einigkeit in Politik und Gesellschaft. Wir haben dringenden Handlungsbedarf. Kindergeldzahlungen ins Ausland
sollten gerechterweise an die Lebensverhältnisse im Ausland angepasst werden. So weit, so gut.
Ich frage Sie: Warum hat man das bislang nicht getan?
Warum haben Sie Ihren Worten nicht längst Taten folgen
lassen?
(Johannes Steiniger [CDU/CSU]: Weil es
gegen europäisches Recht verstößt!)
Warum haben Sie erneut den Volkswillen nicht beachtet?
(Beifall bei der AfD)
Der entsprechende Gesetzentwurf liegt seit langer Zeit
fertig in der Schublade der Bundesregierung. Er wurde
aber nie verabschiedet. Eine Begründung: Man wolle
keinen nationalen Alleingang, sondern abwarten, bis eine
europäische Lösung gefunden sei.
(Johannes Steiniger [CDU/CSU]: Richtig so! – Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das verstößt
nämlich gegen Recht!)
Wie lange will man auch hier auf diese europäische Lösung warten? Sie wissen genau, dass es keine europäische Lösung geben wird,
(Johannes Steiniger [CDU/CSU]: Das ist
doch Quatsch!)
genauso wenig wie bei der Verteilung von Migranten in
der EU.
(Beifall bei der AfD)
Dafür sind die Interessen einfach zu gegenläufig. Genau
dieses ständige Hinhalten durch Verweis auf eine europäische Lösung ist es, was die Menschen in Deutschland
und Europa frustriert und zu Recht mehr nationale Souveränität zurückfordern lässt.
(Beifall bei der AfD)
Auch die weitere Begründung für die Nichteinbringung des Gesetzentwurfes ist scheinheilig: Man fürchte
einen Verstoß gegen europäisches Recht. Dabei bezieht
man sich unter anderem auf ein über 30 Jahre altes Urteil des EuGH, in dem es aber um einen ganz anderen
Sachverhalt ging, nämlich um die völlige Streichung von
Familienleistungen – die völlige Streichung, keine bloße
Indexierung.
(Johannes Steiniger [CDU/CSU]: Lesen Sie
lieber mal die Gutachten!)
Hier wird also seit Jahren ein unzutreffendes Argument
herangezogen, um die vermeintliche europäische Harmonie nur ja nicht zu stören.
#kindergeld #migration #afd