Über Supply Chain Visibility beziehungsweise die Transparenz in der Logistikkette sprachen Florence Delalande Henrichs, Head of Business Unit Rail, Traxens, und Rainer Liebhart, Director Transport/Logistics, Lufthansa Industry Solutions, mit Christian Spanik beim Bühnenmagazin der Intelligenten Welt auf der transport logistic 2017.
* Treiber für Supply Chain Visibility
Aus Rainer Liebharts Sicht ist der größte Treiber für Supply Chain Visibility die Erwartungshaltung des Kunden. Dabei gebe es eine Kluft zwischen dem B2C- und dem B2B-Bereich. Durch die Trends im Consumer Markt wird auch der Umsetzungsdruck gewaltig, Flexibilität in die Supply Chain im B2B-Umfeld zu bringen. Liebhart sieht darin eine gute Entwicklung für die Branche..
* Container-Tracking
Erst in den vergangenen Jahren ist die Container-Industrie auf den Digital-Zug aufgesprungen. Während die Reedereien viel in Technologie investierten, um ihr Geschäft zu optimieren und besser zu organisieren, wurde der Multimodal-Container bei der Digitalisierung-Revolution zunächst außen vor gelassen. Laut Florence Delalande gibt es zwei Haupt-Gründe: Zum Teil wurde höherer Effizienz im Container-Transport durch den Einsatz immer größerer Schiffe erreicht. Doch diese Strategie scheint ihre Grenze erreicht zu haben – größer geht nun nicht mehr. Zum anderen, und das sei noch wichtiger, hat Container-Tracking offenbar niemand richtig versucht. Heute allerdings reicht es nicht mehr aus, nur das Schiff als Ganzes zu tracken.
Um ein Permanent-System zu installieren, das alle Container jederzeit verfolgen kann, brauche es bahnbrechende Technologie, um die niedrigstmöglichen operativen Kosten sicherzustellen. Traxens hat ein spezielles Netzwerk entwickelt, um den Stromverbrauch zu optimieren. Die Idee dahinter: Container reisen nie allein. Sie stehen immer nebeneinander. Der Container mit der besten Satelliten-Verbindung und der höchsten Batterie-Lebensdauer wird als Kopf des Clusters genutzt. Er kann dann seine Netzverbindung teilen. So lässt sich der Stromverbrauch niedrig halten.
* Vorteil Satellitensystem Galileo
Für Florence Delalande ist das europäische Satellitensystem Galileo besonders relevant für die erhöhte Genauigkeit des Systems. Es erlaubt etwa zu bestimmen, auf welcher Seite eines Zauns sich ein Container befindet. So kann man erkennen, ob ein Container bereits durch den Zoll ist oder nicht. Auch für die Bahn bestehen Möglichkeiten, diese Genauigkeit zu nutzen – etwa für die Reihung der Wagen. GPS reicht dann nicht mehr aus, um zu bestimmen, wo der Zug genau steht. In solchen Fällen macht Galileo einen Riesenunterschied.
* Prädiktion und Mustererkennung
Bei der Frage, wie Technologie helfen kann, erfolgreicher zu sein, nennt Rainer Liebhart die Themen Prädiktion und Mustererkennung: „Das Schlimmste für ein Flugzeug ist, wenn es auf dem Boden steht. Das heißt, das größere Ziel von uns als Lufthansa-Technik ist es, die Flugzeuge in die Luft zu bringen – und damit verbunden das Thema Maintenance. Vorauszuschauen, wann wird denn welches Teil im Flugzeug vermutlich kaputt gehen, um daraus Schlüsse zu ziehen: Wo müssen wir am intelligentesten die Teile hinliefern, um sie sehr schnell auszuwechseln.“ Mittelfristig könne das bedeuten, dass Fluggesellschaften keine Flugzeuge mehr kaufen, sondern Flugzeit. Also den Service statt der Maschine. Die Maintenance wird dann zum Problem des Herstellers.
* Transparenz – Risiko oder Möglichkeit?
Doch wie gefährlich ist diese Transparenz und Visibilität bis zum Container für ein Geschäftsmodell? Liebhart erklärt: „Was wir allein mit der Position eines Containers noch nicht wissen ist: In welchem Zustand ist denn die Ware, die in meinem Container drin ist?“ Rosen, Medikamente, aber auch Lebensmittel sind Beispiele, deren Zustand mit der zur Verfügung stehenden Technologie auch innerhalb eines Containers geprüft werden kann.
* Relevanz von 5G
Auch 5G war Thema der Talkrunde. Eine Technologie, die deutlich mehr bietet als nur ein schnelles Netz.
Rainer Liebhart denkt, dass sich 5G zur Schlüsseltechnologie für die Geschwindigkeit von Sensoren im Bereich IoT entwickeln kann: „Deswegen beobachten wir ganz genau, was da momentan passiert. Wir beteiligen uns auch in kleineren Bereichen, um prototypische Entwicklungen im Bereich 5G voranzutreiben.“ Er sieht 5G als wichtige Grundlage, um große Datenmengen in Realtime zu verteilen und zu nutzen.
Florence Delalande sieht zwar den Energieverbrauch als Vorteil, mehr noch jedoch die globale Abdeckung des Systems und seine geringen Betriebskosten. Die von ihrem Unternehmen Traxens angebotene Lösung mit den zusammenarbeitenden Containern könnte sehr schnell schon 5G profitieren. Denn sobald einer der Container mit 5G ausgestattet sei, könnten alle Container in seiner Nähe diese Technologie sofort mit nutzen.